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Krankheitsangst: Wenn der eigene Körper zur ständigen Bedrohung wird

vor 23 Stunden
3 Min. Lesezeit

Ein Ziehen in der Brust, ein Knubbel am Hals, ein Muttermal, das irgendwie anders aussieht. Wo andere kurz stutzen und dann weitermachen, beginnt bei dir das Kopfkino: Was, wenn es Krebs ist? Ein Herzinfarkt? Etwas Seltenes, das die Ärzte übersehen haben? Du googelst, findest die schlimmsten Diagnosen und fühlst dich danach noch schlechter.


Wenn das immer wieder passiert, obwohl ärztliche Untersuchungen unauffällig sind, kann eine Krankheitsangstdahinterstecken, früher auch Hypochondrie genannt.


Wichtig vorweg: Betroffene bilden sich ihre Beschwerden nicht ein. Die Körperempfindungen sind real, und das Leiden ist es auch.


Was ist Krankheitsangst?

Im Mittelpunkt steht die anhaltende Angst oder Überzeugung, an einer ernsthaften Krankheit zu leiden oder bald zu erkranken. Typisch sind:


  • harmlose Körperempfindungen wie Herzklopfen, Kopfschmerzen, Verdauungsgeräusche oder ein Ziehen werden als Zeichen einer schweren Krankheit gedeutet

  • unauffällige Befunde beruhigen nur kurz, dann kommen die Zweifel zurück

  • häufiges Abtasten, Kontrollieren, Pulsmessen oder Betrachten des eigenen Körpers

  • viele Arztbesuche, oder im Gegenteil: Ärzte werden aus Angst vor einer schlimmen Diagnose ganz gemieden

  • stundenlanges Recherchieren von Symptomen im Internet

  • das Thema Krankheit nimmt im Alltag und in Gesprächen sehr viel Raum ein


Von einer Krankheitsangst als Störung sprechen Fachleute, wenn diese Sorgen über Monate anhalten und stark belasten. Die Diagnose stellt immer eine Fachperson.


Angst ist nicht gleich Einbildung

Krankheitsangst hat nichts mit Wehleidigkeit zu tun. Wer betroffen ist, leidet oft sehr, fühlt sich von Ärzten und Angehörigen nicht ernst genommen und schämt sich für die eigenen Sorgen. Hinzu kommt: Körperliche Beschwerden müssen natürlich weiterhin ärztlich abgeklärt werden. Krankheitsangst bedeutet nicht, dass man nie mehr krank sein kann. Sie bedeutet, dass die Angst vor Krankheit unverhältnismäßig viel Raum einnimmt.


Warum die Angst nicht aufhört

Einige typische Muster halten die Krankheitsangst am Laufen.

Der Körper unter dem Mikroskop Wer ständig in sich hineinhorcht, bemerkt immer etwas: ein Zwicken hier, ein Pochen dort. Der Körper sendet ständig solche Signale, die normalerweise unbemerkt bleiben. Je genauer man hinspürt, desto mehr findet man, und desto bedrohlicher wirkt es.


Kontrollieren macht es schlimmer Wer einen Lymphknoten immer wieder abtastet, reizt ihn und macht ihn empfindlicher. Wer ständig den Puls misst, wird nervös, und der Puls steigt. So scheint das Kontrollieren die Sorge zu bestätigen.


Beruhigung wirkt nur kurz Ein unauffälliger Befund oder ein „Das ist nichts“ von Angehörigen entlastet sofort. Doch die Erleichterung hält nicht lange. Das Gehirn lernt: Ich brauche Beruhigung von außen, um die Angst auszuhalten. Bald braucht es die nächste.


Dr. Google Symptome zu googeln führt fast immer auch zu schweren Krankheiten, weil die Suchergebnisse nicht danach sortiert sind, was wahrscheinlich ist. Kopfschmerzen sind fast immer harmlos, im Netz landet man trotzdem schnell beim Hirntumor. Die Angst steigt, statt zu sinken.


Wie entsteht Krankheitsangst?

Häufig spielen frühere Erfahrungen eine Rolle: eine eigene schwere Erkrankung, ein plötzlicher Todesfall oder eine Krankheit im nahen Umfeld, manchmal auch eine Kindheit, in der viel über Krankheiten gesprochen oder Gesundheit sehr ängstlich behandelt wurde. Dazu kommen eine sensible Wahrnehmung für Körpersignale und belastende Lebensphasen, in denen die Angst besonders stark wird.


Krankheitsangst geht oft mit Panikattacken einher. Herzklopfen wird dann als drohender Herzinfarkt gedeutet, und schon läuft der Teufelskreis der Angst.


Wie wird Krankheitsangst behandelt?

Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie. Typische Bausteine sind:


  • verstehen, wie Aufmerksamkeit, Kontrollieren und Beruhigungssuche die Angst aufrechterhalten

  • Gedanken prüfen: Welche Erklärungen gibt es außer der schlimmsten? Wie wahrscheinlich ist welche?

  • Kontrollverhalten schrittweise abbauen: weniger abtasten, weniger googeln, weniger nachfragen

  • Unsicherheit aushalten lernen: akzeptieren, dass es im Leben nie hundertprozentige Sicherheit gibt

  • Konfrontation: sich der Angst gezielt stellen, zum Beispiel beim Thema Krankheit nicht mehr wegzuhören


In manchen Fällen können auch Medikamente unterstützen. Sie werden ärztlich verordnet und begleitet.


Was du selbst tun kannst

Feste Arzttermine statt Notfalltermine

Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt über regelmäßige Kontrolltermine in festen Abständen, statt jedes Mal zu gehen, wenn die Angst steigt. So bist du gut versorgt, ohne dass die Angst den Takt vorgibt. Neue, deutliche oder anhaltende Beschwerden gehören natürlich trotzdem zeitnah abgeklärt.


Google-Pause

Nimm dir vor, Symptome nicht mehr zu googeln. Wenn der Drang kommt, schreib die Frage auf und besprich sie beim nächsten Arzttermin.


Kontrollieren reduzieren

Zähle eine Woche lang, wie oft du abtastest, Puls misst oder in den Spiegel schaust. Dann reduziere Schritt für Schritt.


Aufmerksamkeit nach außen

Wenn du merkst, dass du in deinen Körper hineinhorchst, lenke den Fokus bewusst nach außen, zum Beispiel mit Grounding-Übungen.


Mit Angehörigen sprechen

Erkläre deinen Liebsten, dass ständiges Beruhigen auf Dauer nicht hilft. Gemeinsam könnt ihr vereinbaren, wie sie dich anders unterstützen können.


Die Angst vor Krankheit bestimmt deinen Alltag?

In meiner Privatpraxis in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Angst und Sorgen, vor Ort oder per Video. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Behandlung für Selbstzahler und Privatversicherte.








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