Welche Angststörungen gibt es? Ein Überblick
Angst ist erst einmal etwas völlig Normales und sogar Lebenswichtiges. Sie warnt uns vor Gefahren und macht uns bereit, schnell zu reagieren. Problematisch wird sie erst, wenn sie zu oft, zu stark oder in Situationen auftritt, in denen eigentlich keine Gefahr besteht, und wenn sie beginnt, das Leben einzuschränken.
Dann sprechen Fachleute von einer Angststörung. Und damit bist du alles andere als allein: Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Laut einer großen bundesweiten Studie ist in Deutschland innerhalb eines Jahres etwa jeder siebte Erwachsene betroffen, Frauen ungefähr doppelt so häufig wie Männer.
Angst ist aber nicht gleich Angst. Hier bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Formen.
Panikstörung
Bei einer Panikstörung kommt es immer wieder zu Panikattacken, oft wie aus dem Nichts: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern und das Gefühl, gleich zu sterben oder verrückt zu werden. Typisch ist, dass sich zwischen den Attacken eine ständige Sorge vor der nächsten entwickelt, die sogenannte Angst vor der Angst.
Wichtig zu wissen: Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Panikstörung. Panikattacken können auch bei vielen anderen Angstformen auftreten.
Agoraphobie
Bei der Agoraphobie haben Betroffene Angst vor Orten und Situationen, aus denen sie im Ernstfall nur schwer wegkönnten oder in denen keine Hilfe erreichbar wäre: Menschenmengen, Supermarkt, Bus und Bahn, Schlangen an der Kasse oder allein weit weg von zu Hause. Diese Situationen werden zunehmend gemieden. Im schlimmsten Fall traut man sich kaum noch aus dem Haus.
Agoraphobie tritt häufig zusammen mit einer Panikstörung auf, es gibt sie aber auch ohne Panikattacken.
Soziale Angst
Menschen mit sozialer Angst, früher soziale Phobie genannt, fürchten sich davor, von anderen negativ bewertet zu werden oder sich zu blamieren. Vorträge, Meetings, Telefonate, Essen in der Öffentlichkeit oder einfach im Mittelpunkt zu stehen werden zur Qual. Körperlich zeigt sich das oft durch Erröten, Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen, und gerade die Angst, dass andere das bemerken könnten, macht es noch schlimmer.
Soziale Angst ist mehr als Schüchternheit. Sie beginnt oft schon in der Jugend und kann Beruf, Freundschaften und Beziehungen stark einschränken.
Spezifische Phobien
Die häufigste Angstform überhaupt: Die Angst richtet sich auf ein ganz bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation. Typische Beispiele sind:
Tiere wie Spinnen, Hunde oder Schlangen
Höhe, Fliegen, enge Räume oder Aufzüge
Blut, Spritzen oder ärztliche Eingriffe
Gewitter, Wasser oder Dunkelheit
Viele Menschen kommen mit einer Phobie gut zurecht, solange sie dem Auslöser aus dem Weg gehen können. Schwierig wird es, wenn sie den Alltag oder wichtige Pläne behindert, etwa wenn Flugangst die Karriere oder den Urlaub verhindert.
Generalisierte Angststörung
Hier gibt es keinen einzelnen Auslöser. Betroffene machen sich fast ständig Sorgen, und zwar über viele Bereiche gleichzeitig: Gesundheit, Familie, Geld, Arbeit, die Zukunft. Die Gedanken lassen sich kaum stoppen, oft über Monate. Dazu kommen körperliche Anspannung, Unruhe, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und schnelle Erschöpfung.
Viele Betroffene halten sich selbst einfach für „einen Sorgentyp“ und holen sich deshalb erst spät Hilfe.
Krankheitsangst
Bei der Krankheitsangst, früher Hypochondrie genannt, steht die Angst im Mittelpunkt, ernsthaft krank zu sein, zum Beispiel an Krebs oder einer Herzerkrankung. Harmlose Körperempfindungen werden als Zeichen einer schweren Krankheit gedeutet. Typisch sind ständiges Abtasten und Kontrollieren, viele Arztbesuche und stundenlanges Googeln von Symptomen. Unauffällige Befunde beruhigen nur kurz.
Fachlich wird die Krankheitsangst nicht zu den klassischen Angststörungen gezählt. Betroffene erleben sie aber genau so: als Angst.
Und was ist mit Zwang und Trauma?
Zwangsstörungen und die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) haben viel mit Angst zu tun und wurden früher auch zu den Angststörungen gezählt. In den aktuellen Diagnosesystemen bilden sie aber eigene Gruppen, weil sie anders entstehen und teilweise anders behandelt werden.
Wann ist Angst behandlungsbedürftig?
Angst gehört zum Leben. Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen, wenn
die Angst sehr häufig oder sehr stark auftritt,
du deswegen Orte, Situationen oder Menschen meidest,
sie dich bei der Arbeit, in Beziehungen oder in der Freizeit einschränkt,
du viel Zeit damit verbringst, an die Angst zu denken oder dich gegen sie abzusichern.
Die Diagnose einer Angststörung gehört immer in fachkundige Hände. Dazu gehört auch, körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenüberfunktion ärztlich auszuschließen.
Die gute Nachricht
Angststörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die sich in der Regel gut behandeln lassen. Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie, die die deutsche Behandlungsleitlinie als Methode der ersten Wahl empfiehlt. Ohne Behandlung bleiben Angststörungen dagegen oft lange bestehen. Je früher du dir Unterstützung holst, desto besser.
Du erkennst dich wieder? In meiner Privatpraxis in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Angst und Panik, vor Ort oder per Video. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Behandlung für Selbstzahler und Privatversicherte.
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Quelle der Häufigkeitsangaben: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1-MH), Jacobi et al., 2014.

