Boreout - Der unterforderte Burnout-Typ: So findest du wieder Sinn und Schwung im Job
Der Wecker klingelt, und dein erster Gedanke ist: „Schon wieder.“ Im Büro arbeitest du Aufgaben ab, die du im Schlaf erledigen könntest. Die Stunden ziehen sich wie Kaugummi, du schaust ständig auf die Uhr, und abends bist du trotzdem völlig erledigt. Wie kann man von so wenig so müde sein?
Die Antwort überrascht viele: Nicht nur zu viel Arbeit kann ausbrennen. Auch zu wenig Herausforderung, zu wenig Sinn und zu wenig Entwicklung können auf Dauer erschöpfen. In der Burnout-Forschung spricht man vom unterforderten Typ. Umgangssprachlich hat sich dafür der Begriff Boreout eingebürgert, vom englischen „bored“, also gelangweilt.
Ist Boreout ein echtes Ding?
Boreout ist keine offizielle Diagnose, sondern ein Begriff, den zwei Schweizer Berater vor einigen Jahren bekannt gemacht haben. Die Forschung zu Langeweile im Job ist aber ernstzunehmend: Anhaltende Langeweile und Unterforderung hängen mit Stress, Unzufriedenheit, gedrückter Stimmung und körperlichen Beschwerden zusammen. Und in der Burnout-Forschung ist der unterforderte Typ als eigene Form beschrieben und mit Fragebögen untersucht.
Kurz gesagt: Der Name ist populär, das Phänomen ist real.
Woran du den unterforderten Typ erkennst
Langeweile und Leere: Die Arbeit fühlt sich bedeutungslos an, Tage verschwimmen.
Gleichgültigkeit: Früher hast du dich engagiert, heute machst du Dienst nach Vorschrift.
Keine Entwicklung: Du lernst nichts Neues, kommst nicht weiter und siehst auch keine Perspektive.
Innerer Rückzug: Du distanzierst dich gedanklich von der Arbeit, um sie auszuhalten.
Beschäftigt wirken: Ein offenes Dokument auf dem Bildschirm, die Mail etwas langsamer beantwortet, damit es nicht auffällt. Das kostet erstaunlich viel Kraft.
Müdigkeit trotz wenig Arbeit: Du bist abends erschöpft, obwohl du „eigentlich nichts gemacht hast“.
Schlechtes Gewissen: Darüber zu klagen, fühlt sich falsch an. Andere wären doch froh über einen ruhigen Job.
Gerade der letzte Punkt sorgt dafür, dass viele lange schweigen. Wer ist schon erschöpft vom Nichtstun?
Warum Unterforderung so erschöpft
Das klingt paradox, hat aber gute Gründe:
Langeweile ist anstrengend
Sie ist kein entspannter Zustand, sondern ein unangenehmes Gefühl, das dem Gehirn signalisiert: „Hier stimmt etwas nicht, such dir etwas anderes.“ Wer dieses Signal Tag für Tag unterdrücken muss, verbraucht Energie.
Grundbedürfnisse kommen zu kurz
Menschen brauchen das Gefühl, etwas zu können und zu bewirken, selbst etwas zu entscheiden und Teil von etwas Sinnvollem zu sein. Fehlt das über lange Zeit, leidet das Wohlbefinden, ganz unabhängig von der Arbeitsmenge.
Fehlender Sinn zermürbt
Erinnerst du dich an den Gedanken aus unseren anderen Artikeln? Menschen brennen oft nicht aus, weil sie zu viel tun, sondern weil sie zu viel von dem tun, was ihnen nichts mehr bedeutet. Beim unterforderten Typ gilt das besonders.
Wer besonders betroffen ist
Unterforderung kann jeden treffen. Studien zum unterforderten Typ zeigen häufiger Menschen in Verwaltungs- und Routinetätigkeiten und Menschen, die schon lange in derselben Position sind. Aber auch hoch qualifizierte Fachkräfte, deren Fähigkeiten im Job kaum gefragt sind, oder Menschen, die nach einer Umstrukturierung plötzlich auf dem Abstellgleis stehen, kennen das Gefühl.
Was dem unterforderten Typ hilft
Beim Getriebenen geht es um die Bremse. Beim Unterforderten geht es um das Gegenteil: wieder Schwung, Sinn und Richtung. Hier passt oft ein Coaching sehr gut.
1. Werte klären
Was ist dir eigentlich wichtig? Was hat dich früher begeistert? Wer seine Werte kennt, weiß auch, wonach er sucht.
2. Stärken wiederentdecken
Was kannst du richtig gut, das im Moment brachliegt? Oft sind es genau diese Fähigkeiten, deren Nichtnutzung frustriert.
3. Den Job aktiv umgestalten (Job Crafting)
Job Crafting bedeutet, den eigenen Job im Rahmen des Möglichen selbst mitzugestalten, statt nur auf Veränderung von oben zu warten. Die Forschung zeigt, dass das Engagement und Zufriedenheit steigern kann. Das geht auf drei Ebenen:
Aufgaben: neue Aufgaben übernehmen, ein Projekt anregen, Abläufe verbessern
Beziehungen: mit anderen Menschen und Abteilungen zusammenarbeiten, Wissen weitergeben, jemanden einarbeiten
Blickwinkel: neu entdecken, wofür deine Arbeit eigentlich gut ist und wem sie nützt
4. Das Gespräch suchen
Viele Führungskräfte wissen gar nicht, dass jemand unterfordert ist. Ein ehrliches Gespräch über Entwicklungsmöglichkeiten, Weiterbildung oder neue Aufgaben kann viel bewegen. Wir können es gemeinsam vorbereiten.
5. Neu ausrichten, wenn nötig
Manchmal zeigt sich: Der Job passt einfach nicht mehr. Dann geht es darum, eine berufliche Veränderung in Ruhe und mit klarem Kopf zu planen, statt im Frust hinzuschmeißen.
6. Sinn auch außerhalb des Jobs
Nicht jeder Job kann erfüllend sein. Ein Ehrenamt, ein Hobby mit Herausforderung oder ein eigenes Projekt können viel ausgleichen.
Wichtig: Wenn zur Langeweile tiefe Lustlosigkeit, Freudlosigkeit auch im Privatleben, Schlafprobleme oder Hoffnungslosigkeit dazukommen, kann eine Depression dahinterstecken. Dann ist eine fachliche Abklärung wichtig.
Dein Mini-Schritt: Die Energie-Inventur
Schreib die zehn Aufgaben auf, die eine typische Arbeitswoche bei dir ausmachen.
Markiere jede Aufgabe mit einem Plus (gibt mir Energie), einem Minus (raubt mir Energie) oder einem Kreis (ist mir egal).
Schau dir das Ergebnis an. Gibt es mehr Minus- und Kreiszeichen als Pluszeichen?
Such dir eine Plus-Aufgabe aus und überlege: Wie könnte ich davon nächste Woche ein kleines bisschen mehr machen? Oder such dir eine Kreis-Aufgabe und überlege, wie du sie interessanter gestalten könntest.
Das ist dein erstes kleines Job-Crafting-Experiment. Klein anfangen ist völlig okay, der Rest kommt mit der Bewegung.
Du fühlst dich im Job leer und unterfordert?
In der Praxis Theo Paxino in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Stress, Erschöpfung und beruflicher Unzufriedenheit, als Coaching oder als Therapie, vor Ort oder per Video. Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, welches Muster bei dir im Vordergrund steht und was dir am besten hilft. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Für Selbstzahler und Privatversicherte.
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