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Was ist Stress eigentlich? Einfach erklärt

vor 22 Stunden
4 Min. Lesezeit

„Ich bin total gestresst.“ Kaum ein Satz fällt häufiger, im Büro, in der Familie, an der Supermarktkasse. Stress ist so alltäglich geworden, dass wir kaum noch darüber nachdenken, was er eigentlich ist. Dabei lohnt sich genau das. Denn wer versteht, wie Stress funktioniert, kann viel gezielter etwas dagegen tun.


Stress ist erst einmal etwas Gutes

Klingt komisch, ist aber so: Stress ist ein uraltes Überlebensprogramm. Er sorgt dafür, dass wir in schwierigen Situationen schnell reagieren, Kräfte mobilisieren und hellwach sind. Ohne Stress hätten unsere Vorfahren keine Chance gegen hungrige Raubtiere gehabt, und wir wären heute in keiner Prüfung konzentriert.


Ein bisschen Anspannung macht uns also sogar leistungsfähiger, bis zu einem gewissen Punkt. Das Problem ist nicht der Stress an sich. Das Problem ist Stress, der nie wieder aufhört.


Die Stress-Ampel: drei Teile, ein Ganzes

Um Stress zu verstehen, hilft ein einfaches Bild aus der Stressforschung: die Stress-Ampel. Stress besteht aus drei Teilen.


1. Die Stressoren:

Was mich stresst Das sind die äußeren Auslöser: Zeitdruck, viele Termine, Konflikte mit Kollegen, ein krankes Familienmitglied, Geräusche, finanzielle Sorgen. Aber auch Langeweile und Unterforderung können Stressoren sein.


2. Die persönlichen Stressverstärker:

Was ich mir selbst mache Das sind unsere inneren Einstellungen und Ansprüche, zum Beispiel „Ich muss alles perfekt machen“, „Ich darf niemanden enttäuschen“ oder „Ich muss alles allein schaffen“. Sie entscheiden oft mehr über unser Stresslevel als die Situation selbst.


3. Die Stressreaktion:

Was in mir passiert Das ist das, was wir dann spüren: Herzklopfen, Anspannung, Gereiztheit, kreisende Gedanken, Schlafprobleme.


Gut zu wissen: An allen drei Stellen kann man ansetzen. Und genau das tun wir auch in einer Stress- oder Burnout-Begleitung.


Warum dieselbe Situation den einen stresst und den anderen nicht

Stell dir vor, zwei Kolleginnen sollen morgen vor der Geschäftsführung präsentieren. Die eine freut sich auf die Chance. Die andere schläft die Nacht davor kaum. Gleiche Situation, völlig unterschiedlicher Stress. Wie kann das sein?


Der Psychologe Richard Lazarus hat darauf eine Antwort gefunden, die bis heute als eines der wichtigsten Stressmodelle gilt: Stress entsteht im Kopf, genauer gesagt durch zwei blitzschnelle Fragen, die wir uns meist unbewusst stellen:


  1. Ist das wichtig oder bedrohlich für mich?

  2. Habe ich genug Kraft und Möglichkeiten, damit umzugehen?


Wenn die Antwort auf die erste Frage „Ja“ und auf die zweite „Eher nicht“ lautet, entsteht Stress. Die erste Kollegin denkt: „Wichtig, aber das kann ich.“ Die zweite denkt: „Wichtig, und wenn ich mich blamiere, ist meine Karriere vorbei.“


Das bedeutet nicht, dass Stress nur Einbildung ist. Manche Belastungen sind einfach objektiv zu viel. Aber es bedeutet: Unsere Bewertung spielt eine enorme Rolle. Und Bewertungen lassen sich verändern.


Was im Körper passiert

Wenn dein Gehirn eine Situation als Stress einstuft, springen zwei Systeme an.

Das schnelle System Innerhalb von Sekunden wird Adrenalin ausgeschüttet. Das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an, der Blutzucker steigt. Du bist bereit zum Kampf oder zur Flucht. Das ist dieselbe Reaktion, die auch bei Angst abläuft.


Das langsame System Etwas später kommt das Stresshormon Cortisol dazu. Es hält den Körper länger in Alarmbereitschaft und stellt Energie bereit. Kurzfristig ist das hilfreich. Bleibt der Cortisolspiegel aber über Wochen und Monate erhöht, kann das Schlaf, Immunsystem, Verdauung, Stimmung und Gedächtnis beeinträchtigen.


Und dann gibt es noch den Gegenspieler: das Erholungssystem. Es sorgt dafür, dass der Körper nach dem Stress wieder herunterfährt, verdaut, repariert und Energie tankt. Bei gesundem Stress wechseln sich beide Systeme ab, wie Gas und Bremse beim Autofahren.


Wann Stress zum Problem wird

Es gibt einen verbreiteten Mythos, dass es „guten“ und „schlechten“ Stress gibt. Ganz so einfach ist es nicht. Die Forschung zeigt: Entscheidend ist weniger die Art des Stresses als die Frage, ob danach wieder Erholung folgt.


Kurzer, akuter Stress mit anschließender Pause ist für einen gesunden Körper kein Problem, eher ein Training. Problematisch wird es, wenn


  • der Stress dauerhaft anhält, ohne echte Pausen,

  • du auch in deiner freien Zeit gedanklich nicht abschalten kannst,

  • der Schlaf nicht mehr erholsam ist,

  • sich die Belastungen über Wochen und Monate aufsummieren.


Dann bleibt das Gaspedal durchgedrückt, und die Bremse kommt nicht mehr zum Zug. Auf Dauer kann daraus Erschöpfung, Burnout oder eine andere Erkrankung entstehen.


Typische Warnzeichen für zu viel Stress

  • Du schläfst schlecht oder wachst nachts mit kreisenden Gedanken auf.

  • Du bist schneller gereizt als früher.

  • Kopfschmerzen, Verspannungen oder Magenprobleme werden häufiger.

  • Du kannst dich schlechter konzentrieren und vergisst Dinge.

  • Selbst am Wochenende kommst du nicht richtig runter.

  • Dinge, die dir früher Freude gemacht haben, fühlen sich wie eine weitere Pflicht an.


Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, ist das kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, genauer hinzuschauen.


Dein Mini-Schritt: Deine persönliche Stress-Ampel

Nimm dir fünf Minuten und einen Zettel oder die Notizen-App. Beantworte drei Fragen:


  1. Rot – meine Stressoren: Was sind gerade die drei Dinge, die mich am meisten stressen?

  2. Gelb – meine Stressverstärker: Welcher Gedanke macht diese Situationen für mich noch schwerer? Zum Beispiel „Ich muss das perfekt machen“ oder „Wenn ich Nein sage, sind alle sauer“.

  3. Grün – meine Erholung: Was hat mir in den letzten Wochen wirklich gutgetan, auch wenn es nur kurz war?


Schau dir deine Antworten an. Vielleicht entdeckst du bei Gelb einen Gedanken, den du hinterfragen möchtest. Oder bei Grün etwas, von dem du dir diese Woche bewusst ein bisschen mehr gönnen kannst. Damit hast du schon an zwei der drei Stellschrauben gedreht.


Dein Stress ist dir über den Kopf gewachsen?

In der Praxis Theo Paxino in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Stress, Erschöpfung und Burnout, als Coaching zur Vorbeugung oder als Therapie, vor Ort oder per Video. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Für Selbstzahler und Privatversicherte.












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