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Der getriebene Burnout-Typ: So lernst du, wieder abzuschalten

vor 3 Tagen
4 Min. Lesezeit

Du bist der, auf den sich alle verlassen. Im Job läuft es, die Projekte sitzen, abends noch schnell die Mails, am Wochenende der Halbmarathon. Stillstand kennst du nicht. Und trotzdem: Du bist gereizt wie nie, schläfst schlecht, und wenn du einmal nichts zu tun hast, wirst du unruhig. Dein Partner oder deine Partnerin sagt vielleicht schon: „Du bist gar nicht mehr richtig da.“


Willkommen beim getriebenen Burnout-Typ. Er ist der häufigste Typ bei engagierten, erfolgreichen Menschen, und er ist besonders tückisch. Denn von außen sieht er aus wie Erfolg.


Woran du den getriebenen Typ erkennst

In der Burnout-Forschung wird dieser Typ als „frenetisch“ beschrieben, also rastlos und überengagiert. Typisch sind:


  • Immer mehr Einsatz: Wenn es schwierig wird, gibst du nicht weniger, sondern noch mehr Gas.

  • Hohe Ansprüche: an dich selbst und oft auch an andere. Gut ist selten gut genug.

  • Eigene Bedürfnisse kommen zuletzt: Essen, Schlaf, Freunde, Pausen werden geopfert, wenn es eng wird.

  • Kurze Zündschnur: Ungeduld, Gereiztheit, Ärger über Kleinigkeiten, vor allem zu Hause.

  • Ruhe ist unerträglich: Sobald Leerlauf entsteht, greifst du zum Handy, räumst auf, planst das Nächste.

  • Freizeit wird zum Projekt: Sport ist kein Ausgleich, sondern Leistung. Die Uhr misst, die App vergleicht, der nächste Wettkampf ist schon gebucht.

  • Der Körper ist leise gestellt: Verspannungen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit werden übergangen, bis es nicht mehr geht.


Warum Ruhe sich so schlecht anfühlt

Vielleicht kennst du das: Endlich Urlaub, und nach zwei Tagen wirst du krank oder fängst an, Mails zu checken. Das hat Gründe.

Dein Nervensystem hat sich an Hochtouren gewöhnt. Wer lange im Alarmmodus läuft, für den fühlt sich Ruhe nicht nach Erholung an, sondern nach etwas, das nicht stimmt. Die Erholungsforschung zeigt außerdem: Je erschöpfter Menschen sind, desto schwerer fällt ihnen das gedankliche Abschalten. Ausgerechnet dann, wenn sie es am meisten bräuchten.

In der Stille melden sich Gefühle. Solange du beschäftigt bist, ist kein Platz für Müdigkeit, Traurigkeit oder die Frage, ob dich das alles noch glücklich macht. In der Ruhe kommen sie hoch. Beschäftigung wird so zur Ablenkung.

Kleiner Trost: Damit bist du nicht allein. In einer viel zitierten Studie sollten Menschen 15 Minuten allein mit ihren Gedanken in einem Raum sitzen. Viele fanden das so unangenehm, dass sie sich lieber selbst einen leichten Stromschlag versetzten, als einfach nur dazusitzen. Nichtstun ist für unser Gehirn offenbar schwerer, als es klingt.


Was dahintersteckt


Selbstwert, der an Leistung hängt

Viele Getriebene haben früh gelernt: Ich bin dann gut, wenn ich etwas leiste. Vielleicht gab es Anerkennung vor allem für gute Noten. Vielleicht hat ein Elternteil diesen Lebensstil vorgelebt. Oder es wurde einfach erwartet. Wer so geprägt ist, fühlt sich in der Pause nicht erholt, sondern wertlos.


Innere Antreiber

Im Kopf laufen dann Sätze wie „Sei perfekt“, „Sei stark“, „Beeil dich“, „Mach es allen recht“ oder „Streng dich an“. Dieses Modell der inneren Antreiber stammt aus der Transaktionsanalyse. Es ist eher ein praktisches Werkzeug als harte Wissenschaft, aber fast jeder Getriebene erkennt sich darin sofort wieder.


Getriebene Leidenschaft

Die Forschung unterscheidet zwei Arten von Leidenschaft für die Arbeit. Bei der harmonischen Leidenschaft liebst du deine Arbeit, kannst sie aber auch loslassen. Bei der getriebenen Leidenschaft musst du arbeiten, sonst fühlst du dich schlecht. Studien zeigen: Die harmonische Variante schützt eher vor Burnout, die getriebene macht anfälliger. Der Unterschied ist also nicht, wie viel du arbeitest, sondern ob du noch frei wählen kannst.


Zu viel geben, zu wenig zurückbekommen

Ein weiteres gut belegtes Modell besagt: Krank macht vor allem das Missverhältnis zwischen hohem Einsatz und zu wenig Anerkennung, Sinn oder Wertschätzung. Getriebene neigen dazu, immer noch mehr zu investieren, in der Hoffnung, dass es irgendwann zurückkommt.


Was dem getriebenen Typ hilft

Beim Getriebenen geht es vor allem um eins: die Bremse wiederfinden. Und zwar nicht mit Gewalt, sondern Schritt für Schritt.


1. Ruhe in kleinen

Dosen üben Wer Ruhe nicht aushält, sollte nicht gleich mit einer Woche Schweigeretreat anfangen. Wir beginnen mit wenigen Minuten echter Pause und steigern langsam. Wie beim Training: erst die Treppe, dann der Berg.


2. Den Körper wieder spüren

Atemübungen, Körperwahrnehmung und Entspannungstechniken helfen, die Signale des Körpers wieder ernst zu nehmen, bevor er die Notbremse zieht.


3. Abschalten lernen

Klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: das Handy nach Feierabend weglegen, ein kleines Ritual zum Arbeitsende, Freizeit, die nicht optimiert wird. Sport darf bleiben, aber als Spaß, nicht als nächster Leistungsnachweis.


4. Mit den Antreibern verhandeln

Wir lernen den inneren Antreiber kennen, statt ihn zu bekämpfen. Wovor will er dich schützen? Und was würde passieren, wenn er mal eine Pause macht? Aus „Sei perfekt“ kann zum Beispiel „Gut genug ist gut genug“ werden.


5. Selbstwert jenseits von Leistung

Eine der wichtigsten Fragen: Wer bin ich, wenn ich gerade nichts leiste? Mit Selbstmitgefühl und der Arbeit an alten Glaubenssätzen entsteht nach und nach ein Selbstwert, der nicht mehr von der nächsten Leistung abhängt.


6. Grenzen setzen

Nein sagen, delegieren, Erwartungen klären. Für Getriebene oft die schwerste Übung, aber eine der wirksamsten.


Dein Mini-Schritt: 5 Minuten Nichtstun

Klingt einfach. Ist es nicht. Genau deshalb lohnt es sich.


  1. Stell dir einen Wecker auf 5 Minuten.

  2. Setz dich hin, ohne Handy, ohne Musik, ohne Kaffee. Einfach sitzen und aus dem Fenster schauen.

  3. Bewerte vorher deine innere Unruhe von 1 bis 10.

  4. Beobachte während der 5 Minuten, was passiert: Welche Gedanken kommen? Welcher Impuls taucht auf, etwas zu tun? Folge ihm nicht, bemerke ihn nur.

  5. Bewerte danach deine Unruhe noch einmal.


Wenn dir die 5 Minuten endlos vorkamen und du dreimal fast zum Handy gegriffen hättest: Herzlichen Glückwunsch, du hast gerade deinen inneren Antreiber live kennengelernt. Wiederhole die Übung eine Woche lang täglich. Meist wird es mit jedem Tag ein bisschen leichter.


Du erkennst dich im getriebenen Typ wieder? In der Praxis Theo Paxino in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Stress, Erschöpfung und Burnout, als Coaching zur Vorbeugung oder als Therapie, vor Ort oder per Video. Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, welches Muster bei dir im Vordergrund steht und was dir am besten hilft. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Für Selbstzahler und Privatversicherte.











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